Mit dem Rad nach Kroatien Tag 4 – Parenzana und Grenzen

Der Tag beginnt mit einem Frühstück voller Liebe und endet mit einem Sonnenuntergang über dem Meer – dazwischen liegen Waldwege, Tunnel im Dunkeln, ein Abstecher nach Slowenien und die ersten Kilometer in Kroatien. Eine Etappe voller kleiner Wunder, die mich spüren lässt: Ich bin wirklich angekommen. 🚴‍♂️✨

Mit dem Mountainbike nach Kroatien – Tag 4 führt von Bosovizza bis nach Umag und wird zu einer Mischung aus Abenteuer, Pannen, Grenzmomenten und mediterraner Freiheit. Zwischen einer defekten Bremse, steilen Wegen, der historischen Parenzana-Bahntrasse und traumhaften Küstenblicken erlebt dieser Radtag alles gleichzeitig: Stress, Glück, Erschöpfung und pure Dankbarkeit. Der Blogartikel nimmt Leser mit auf eine emotionale MTB-Reise durch Slowenien bis an die kroatische Adriaküste.

Mit dem Rad nach Kroatien Tag 4 – Parenzana und Grenzen

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Reiseverlauf

Tag 1: Bled mehr

Tag 2: Ljubljana mehr

Tag 3: Bosovizza mehr

Tag 4: Umag mehr

Tag 5: Buzet mehr

Tag 6: Vrsar mehr

Tag 7: Banjole mehr

Tag 8: Krnica mehr

Tag 9: Opatija mehr

Tag 10: Opatija mehr

Tag 11: Rijeka mehr

Straße durch Bosovizza beim Start von Tag 4 mit dem Rad nach Kroatien

Ein Frühstück, das sich wie Zuhause anfühlt

Der Morgen in Bosovizza beginnt nicht laut. Kein hektisches Türenknallen, kein Verkehrslärm, kein Gefühl von „weiter müssen“. Stattdessen liegt diese angenehme Ruhe über allem, die man nur auf Reisen spürt, wenn der Tag noch völlig offen vor einem liegt.

Und dann dieses Frühstück.

Manchmal sind es nicht die großen Luxusmomente, die einen glücklich machen. Sondern ein frisch geschäumter Cappuccino. Ein perfekt gebratenes Ei. Toast, der warm serviert wird, noch bevor ich überhaupt darüber nachdenke, danach zu fragen.

Die kleine Herberge fühlt sich plötzlich nicht mehr wie irgendeine Unterkunft an. Sondern wie ein Ort, an dem Menschen wirklich möchten, dass man sich wohlfühlt. Ich sitze dort in der Morgensonne, nehme den ersten Schluck Kaffee und merke, wie diese innere Nervosität langsam verschwindet.

Heute sollen es 27 Grad werden. Kroatien ist nah. Das Meer auch.

Und trotzdem kreist ein Gedanke die ganze Zeit in meinem Kopf: die Bremse.

Denn bevor dieser Tag überhaupt richtig beginnen kann, wartet erstmal die Werkstatt.

Zwischen Hoffnung und halb funktionierender Bremse

Gestern hatte man mir versprochen, sich am Morgen um mein Hinterrad zu kümmern. Also stehe ich um acht Uhr geschniegelt mit Helm und Hoffnung vor der Tür der Werkstatt.

Geschlossen.

Um neun Uhr ebenfalls.

Langsam entsteht dieses unangenehme Gefühl im Bauch, das irgendwo zwischen Unsicherheit und leichter Panik liegt. Erst jetzt fällt mir ein: Samstag.

Natürlich Samstag.

Ich starre auf die Tür, als könnte ich sie mit purem Willen öffnen. Neben mir lehnt das Mountainbike mit einer Bremse, die ungefähr so vertrauenswürdig wirkt wie ein Regenschirm im Orkan.

Halb zehn taucht endlich der Besitzer auf.

In diesem Moment hätte ich ihn beinahe umarmt.

Die Diagnose folgt allerdings schneller als mir lieb ist: Einer der vier hydraulischen Stempel hinten ist festgebrannt. Reparieren? Keine Chance. Nicht hier. Nicht heute.

Ich nicke, lache kurz gequält und denke nur:

„Perfekt. Also weiter mit halber Bremskraft Richtung Kroatien.“

50 Prozent Bremse sind immerhin besser als gar keine. Rede ich mir jedenfalls ein.

Innerlich sieht das anders aus.

Slowenien

Rad hat hier eine Priorität

Kroatien

Mal wieder ich

Kroatien

Olivenbäume

Waldwege, die eher Foltergeräte sind

Kaum rolle ich los, beschließt der Tag sofort, mich weiter zu testen.

Der erste Waldweg sieht aus, als hätte jemand absichtlich versucht, möglichst viele Treppenstufen, Steine und Schlaglöcher in einen einzigen Abschnitt zu bauen. Das Bike hämmert unter mir durch die Unebenheiten, meine Arme vibrieren und jeder einzelne Stoß wandert direkt bis in die Schultern.

Nach wenigen hundert Metern bin ich komplett durchgeschüttelt.

Und denke ernsthaft:
„Vielleicht reicht’s für heute eigentlich schon.“

Es ist noch nicht einmal richtig Mittag.

Doch genau das liebe ich gleichzeitig an solchen Touren. Diese völlige Unberechenbarkeit. Man plant Strecken. Höhenmeter. Orte. Aber nie das echte Gefühl unterwegs.

Kurz darauf folgt direkt die nächste Prüfung.

Ein Dorf mit Straßen, die aussehen, als hätten sie jeglichen Bezug zur Horizontalen verloren. Die Steigung ist so brutal, dass mein Rad trotz gezogener Vorderbremse weiterrollt.

Irgendwann steige ich einfach ab.

Ego aus. Sicherheit an.

Manchmal ist Schieben einfach die bessere Entscheidung.

Während mir der Schweiß den Rücken herunterläuft, muss ich selbst lachen. Weil diese Reise inzwischen längst nicht mehr perfekt sein muss. Genau das macht sie gerade besonders.

Blick über die Küste bei Triest auf dem Weg Richtung Kroatien
Radfahrer-Selfie im Wald bei Bosovizza auf Tag 4 der Fahrradreise
Grüne Hügel nahe der Grenze als Übergang von Slowenien nach Kroatien

Einmal falsch abgebogen – und plötzlich in Slowenien

Irgendwann stehe ich plötzlich vor einem Schild.

Slowenien.

Ich blinzle kurz.

Moment mal.

War das geplant?

Offenbar nicht.

Eine Umleitung wegen einer Sperrung hat mich über irgendwelche kleinen Wege geschickt – und ohne großes Drama befinde ich mich plötzlich einfach in einem anderen Land.

Kein Grenzbeamter.
Kein großes Tor.
Keine Kontrolle.

Nur ein Schild.

Und irgendwie liebe ich genau das an Europa. Dieses Gefühl, einfach weiterzufahren und plötzlich verändert sich Sprache, Landschaft und Atmosphäre.

Noch verrückter wird es kurze Zeit später.

Das nächste Schild taucht auf:

Kroatien.

So unspektakulär und gleichzeitig so bedeutend.

Ich halte kurz an, schaue darauf und muss grinsen. Wochenlang liegt dieses Ziel irgendwo im Kopf. Auf Karten. In Gedanken. In kleinen Tagträumen während der Planung.

Und jetzt stehe ich einfach davor.

Mit halber Bremse.
Verschwitzt.
Staubig.
Komplett übermüdet.

Aber glücklich.

Die Luft fühlt sich plötzlich anders an. Wärmer. Salziger. Leichter.

Und irgendwo hinter den Bäumen beginnt bereits dieses mediterrane Gefühl, das nach Sommer, Meer und langen Abenden riecht.

Grüne Hügellandschaft entlang des Parenzana Radwegs in Istrien
Weiter Blick über die Adria bei Umag auf der Fahrradreise nach Kroatien
Abendstimmung am Meer in Umag nach einem langen Radtag

Die Parenzana – Tunnel, Staub und pures Abenteuer

Die ersten Kilometer in Kroatien fühlen sich magisch an.

Rechts glitzert das Meer in der Sonne. Die Luft ist warm. Die Küste zieht sich ruhig durch die Landschaft und ich merke, wie langsam sämtlicher Stress der letzten Tage von mir abfällt.

Dann erreiche ich die Parenzana.

Eine ehemalige Eisenbahnstrecke, die heute einer der schönsten Radwege Istriens ist. Alte Viadukte, Schotterpisten, Wälder, kleine Tunnel und überall diese Mischung aus Geschichte und Abenteuer.

Ich rolle durch die Landschaft und denke mehrmals:
„Genau dafür bin ich losgefahren.“

Bis die Tunnel kommen.

Einige sind beleuchtet. Andere wirken eher wie Eingänge in absolute Dunkelheit.

Natürlich fahre ich trotzdem hinein.

Mein Licht kämpft tapfer gegen die schwarze Wand vor mir, verliert aber ziemlich deutlich. Der Boden verschwindet praktisch komplett aus meinem Sichtfeld. Ich höre nur Reifen auf Schotter und hoffe inständig, dass vor mir keine Mauer auftaucht.

Ein bisschen Wahnsinn gehört offenbar dazu.

Und ehrlich gesagt liebe ich genau diese Momente später immer am meisten.

Zwischendurch treffe ich immer wieder andere Menschen auf der Strecke. Radfahrer aus verschiedenen Ländern. Manche komplett durchtrainiert. Andere gemütlich unterwegs mit Packtaschen und Sonnenhut.

Man grüßt sich.
Lacht.
Tauscht Tipps aus.
Fragt nach Wasser oder der nächsten Einkehr.

Und plötzlich fühlt sich die Welt wieder erstaunlich klein an.

Mit dem Rad nach Kroatien

Besonderheit des Tages

Der Moment, in dem ich im stockfinsteren Parenzana-Tunnel fuhr – blind, geführt nur vom Echo meiner Reifen – war pures Abenteuer. Ein kurzer Augenblick, der Mut, Geschichte und Magie vereinte. 🚴
Rastplatz an der Parenzana mit Steinmauer und Olivenbäumen

Umag, ein Pool und dieser perfekte Sonnenuntergang

Als ich Umag erreiche, bin ich komplett leer.

Die Beine schwer.
Die Arme staubig.
Die Haut salzig vom Schweiß.

Aber gleichzeitig erfüllt von diesem seltsamen Reiseglück, das man kaum erklären kann.

Vor mir steht plötzlich ein riesiges All-Inclusive-Hotel. Fast surreal nach all den Waldwegen, Tunneln und Schotterpisten.

Ich rolle zur Rezeption und werde direkt wieder auf den Boden der Tatsachen geholt:

„Das Mittagessen ist leider vorbei.“
„Die Strandbar schließt gleich.“

All inclusive eben.
Aber offenbar nicht grenzenlos. 😂

Egal.

Denn es gibt einen Pool.

Und genau dort lande ich wenige Minuten später.

Ich lasse mich ins Wasser fallen und spüre sofort, wie der ganze Körper langsam loslässt. Dieses Gefühl nach einem langen Radtag ist schwer zu beschreiben. Als würde man plötzlich schwerelos werden.

Die Hotelanlage wirkt riesig, hier und da etwas in die Jahre gekommen, aber gleichzeitig voller kleiner ruhiger Ecken. Ich sitze später mit meinem Buch in der Sonne, schaue aufs Meer und merke plötzlich:

Ich bin angekommen.

Nicht nur geografisch.

Sondern mental.

Am Abend färbt sich der Himmel langsam rot. Zum ersten Mal sitze ich auf der „richtigen“ Seite des Meeres und beobachte, wie die Sonne direkt im Wasser verschwindet.

Ich trinke ein Glas kroatischen Wein.
Schreibe Nachrichten.
Lese ein paar Seiten.
Und höre einfach nur dem Abend zu.

Keine Eile.
Kein Druck.
Keine Termine.

Nur dieses leise Gefühl von Zufriedenheit.

Heute lagen Hindernisse und Schönheit so nah beieinander wie selten zuvor. Und vielleicht sind genau das die Tage, die man niemals vergisst.

Die Tage, an denen nichts perfekt läuft – aber trotzdem alles richtig ist.

Mit dem Rad nach Kroatien Tag 4 – Parenzana und Grenzen

travel period

  • Land: Österreich, Slowenien, Italien, Kroatien
  • Zeitraum: September
  • Reisedauer: 12T

travel dates

  • Start: Villach
  • Ziel: Rijeka
  • Anreise: Bahn/Eystrup
  • Dauer: ca. 20h

activity

  • Rad: EMTB
  • geradelte Km: 1080
  • Dauer Etappe:: 8-10h/Tag
  • Höhenmeter: 3.500Hm
  • Schwierigkeitsgard: Mittel