Mit dem Rad nach Kroatien Tag 3 – Berge und ein Held

Die längste Etappe der Tour beginnt mit müden Beinen und großen Zweifeln – zwei Berge, brennende Bremsen und hunderte Gedanken. Doch irgendwo zwischen Asphalt, Waldwegen und der Grenze zu Italien zeigt sich, dass genau dieser Tag mir beweisen wird, wie viel stärker ich bin, als ich glaube. 🚴‍♂️✨
Mit dem Mountainbike geht es an Tag 3 der Tour von Ljubljana Richtung Italien. Zwei harte Bergpässe, brennende Bremsen, steile Straßen und mentale Grenzmomente machen diese Etappe zur bisher schwierigsten Herausforderung der Reise. Zwischen Slowenien und Italien erlebt der Tag jedoch auch magische Momente: stille Wälder, kleine Cafés, italienische Gastfreundschaft und eine Pizza, die nach purem Urlaub schmeckt. Der Blogartikel erzählt emotional und humorvoll von einer grenzüberschreitenden MTB-Tour voller Abenteuer, Zweifel und Dankbarkeit.

Mit dem Rad nach Kroatien Tag 3 – Berge und ein Held

#44 | #Abenteuer | #alpencross | #Ausflug | #Berge | #Bike | #bikeadventure | #Bikepacking | #bosovizza | #bremsendrama | #cyclingadventures | #europamitdemrad | #Fahrradreise | #Fahrradtour | #Fernreise | #fernweh | #gravelbike | #herbsttour | #Italien | #italienischepizza | #italienliebe | #Kroatien | #Ljubljana | #lovingtailwind | #mit dem Rad nach Kroatien | #mitdemradnachkroatien | #Mountainbike | #MTB | #mtblife | #Natur | #Österreich | #Outdoor | #outdoorliebe | #Radreise | #Reiseblog | #Slowenien | #sonnenuntergang | #tourtagebuch | #triest | Ort Ljubljana

Reiseverlauf

Tag 1: Bled mehr

Tag 2: Ljubljana mehr

Tag 3: Bosovizza mehr

Tag 4: Umag mehr

Tag 5: Buzet mehr

Tag 6: Vrsar mehr

Tag 7: Banjole mehr

Tag 8: Krnica mehr

Tag 9: Opatija mehr

Tag 10: Opatija mehr

Tag 11: Rijeka mehr

Spiegelbild eines Radfahrers mit Gepäck am Morgen von Tag 3 der Radreise nach Kroatien

Zwischen Müdigkeit und Cappuccino

Als ich an diesem Morgen in Ljubljana wach werde, weiß mein Körper sofort mehr als mein Kopf. Alles schreit nach Pause. Meine Beine fühlen sich an wie weichgekochte Spaghetti, mein Rücken knarzt wie eine alte Holzhütte im Sturm und selbst das Aufstehen wirkt plötzlich wie eine olympische Disziplin.

Und ausgerechnet heute wartet die längste Etappe der gesamten Tour auf mich.

Zwei Bergpässe. Beide über 1000 Höhenmeter. Keine Abkürzung. Kein Ruhetag. Kein „ach komm, ich fahr morgen weiter“. Nur ich, das Mountainbike und diese unangenehme Erkenntnis, dass Berge beim Nachdenken irgendwie immer größer werden.

Draußen scheint die Sonne bereits über Ljubljana. Die Stadt wirkt ruhig, freundlich, fast harmlos. Menschen sitzen entspannt beim Frühstück, während ich versuche herauszufinden, ob meine Beine heute eher kündigen oder doch noch mitarbeiten wollen.

Trotzdem rolle ich los.

Die ersten Kilometer überraschen mich komplett. Die Straße ist zwar wenig romantisch – viel Bundesstraße, viel Verkehr, wenig Natur – aber sie läuft angenehm flüssig. Nach den letzten Tagen voller Schotter, Staub und technischer Katastrophen fühlt sich einfacher Asphalt plötzlich wie Luxus an.

Ich halte an einem kleinen Café an.

Cappuccino. Wasser. Sonne im Gesicht.

Mehr brauche ich in diesem Moment nicht.

Für ein paar Minuten vergesse ich alles: die kaputten Bremsen, die Geräusche am Rad, die Länge der Strecke. Ich sitze einfach da, schaue auf die Straße und spüre dieses merkwürdige Gefühl zwischen Urlaub und völliger Überforderung.

Der Cappuccino beruhigt mich mehr als jede Wetter-App oder Tourenplanung.

Dann setze ich den Helm wieder auf und denke nur:

„Na gut… schauen wir mal, wie schlimm es heute wirklich wird.“

Straßen, die sich wie Wände anfühlen

Die Antwort kommt schneller als gedacht.

Die Hauptstraßen werden enger. Es gibt keinen Randstreifen. LKW donnern an mir vorbei, teilweise so nah, dass ich kurz glaube, ihren Lack riechen zu können. Hupen hallen zwischen den Häusern wider, während ich versuche, halbwegs ruhig weiterzufahren.

Ich frage mich ernsthaft, ob Fahrräder hier überhaupt vorgesehen sind oder ob ich gerade freiwillig an einem osteuropäischen Survival-Spiel teilnehme.

Dann beginnen die Steigungen.

15 Prozent.

16 Prozent.

17 Prozent.

Ab irgendeinem Punkt sieht die Straße einfach nur noch falsch aus. Eher wie eine Wand als wie ein Verkehrsweg.

Ich fahre.
Ich schiebe.
Ich fluche leise vor mich hin.
Dann fahre ich wieder.
Dann schiebe ich erneut.

Ein älterer Mann schaut mich vor seinem Haus an, als wäre ich ein verloren gegangener Zirkusartist mit Gepäcktaschenproblem. Ganz ehrlich? Wahrscheinlich wirkt es auch genau so.

Doch während ich kämpfe, beginnt mein Rad plötzlich neue Geräusche zu erfinden.

Knacken.
Rattern.
Schleifen.

Jedes einzelne Geräusch klingt teuer.

Ich lausche jedes Mal panisch hinein und hoffe, dass es gleich verschwindet.

Tut es natürlich nicht.

Stattdessen begleitet mich dieses mechanische Drama den gesamten Berg hinauf wie ein kleiner Dämon, der ständig flüstert:

„Das wird später richtig unangenehm.“

Slowenien/Italien

Ein Bahnübergang im Nirgendwo

Slowenien/Italien

Schöne Waldwege

Slowenien/Italien

Den Tag genießen

Hitze, Bremsgeruch und kleine mentale Abstürze

Mit jeder Stunde wird die Sonne brutaler.

27 Grad fühlen sich auf einem Berg plötzlich an wie 40. Kein Schatten. Kaum Wind. Der Asphalt strahlt Hitze zurück wie ein Backofen.

Ich merke, wie meine Energie langsam verschwindet.

Und dann kommen die Abfahrten.

Normalerweise liebe ich schnelle Downhills. Geschwindigkeit bedeutet Freiheit. Heute bedeutet Geschwindigkeit vor allem eins: Angst.

Meine Bremsen riechen inzwischen wie ein Lagerfeuer aus Metall und Verzweiflung.

Schon bei 40 km/h werde ich nervös. Ich bremse auf 30 herunter. Dann auf 25. Der Geruch verbrannter Bremsbeläge steigt erneut auf und jedes Mal denke ich:

„Bruder… das hält niemals bis Kroatien.“

Also schiebe ich teilweise sogar bergab.

Ja. Bergab.

Nicht weil ich muss. Sondern weil mein Kopf irgendwann beschlossen hat, dass lebendig ankommen vielleicht doch die bessere Idee wäre.

Und trotzdem passiert unterwegs etwas Merkwürdiges.

Zwischen all dem Stress tauchen plötzlich diese stillen Momente auf.

Ein schmaler Waldweg.
Sonnenlicht zwischen den Bäumen.
Ein verlassenes Haus mit bröckelnden Fensterläden.
Der Geruch von warmem Holz und trockener Erde.

Ich höre Vögel. Irgendwo bellen Hunde. In kleinen Dörfern sitzen Menschen vor Cafés und trinken völlig entspannt Espresso, als gäbe es auf dieser Welt keine Probleme.

Und langsam beruhigt sich auch mein Kopf wieder.

Die restlichen Kilometer wirken plötzlich nicht mehr wie ein Feind. Sondern einfach wie ein Teil des Tages.

Anstrengend. Chaotisch. Aber irgendwie schön.

Schmaler Waldweg mit Licht und Schatten auf Tag 3 der Radreise nach Kroatien
Aussichtspunkt mit Blick über Hügel und Wälder in Slowenien
Grüner Hang mit steilem Anstieg auf der anspruchsvollen Bergetappe

Die Grenze nach Italien fühlt sich größer an als sie aussieht

Nach Stunden, die sich wie eine komplette Woche anfühlen, taucht plötzlich ein kleines Schild auf.

Italien.

Keine große Kontrolle. Keine riesige Grenze. Einfach nur eine unscheinbare Schranke irgendwo zwischen Straßen und Bergen.

Und trotzdem bleibe ich stehen.

Ich atme tief durch.

Ich bin wirklich in Italien angekommen.

Dieser Moment fühlt sich größer an, als er eigentlich ist. Vielleicht weil ich weiß, wie viel Kraft dieser Tag gekostet hat. Vielleicht auch, weil solche Grenzen auf einer Fahrradtour plötzlich emotional werden.

Vor wenigen Stunden sitze ich noch erschöpft in Ljubljana. Jetzt rolle ich plötzlich durch italienische Dörfer.

Bosovizza empfängt mich ruhig und freundlich.

Kleine Häuser. Ein Tante-Emma-Laden. Ein Eiscafé. Menschen, die entspannt durch die Straßen laufen.

Und mitten in diesem kleinen Dorf liegt meine Unterkunft.

Eine Mischung aus Hostel, Familienbetrieb und italienischem Wohlfühl-Labyrinth.

Ich frage vorsichtig nach einer Fahrradwerkstatt.

Meine Erwartungen? Praktisch nicht vorhanden.

Doch plötzlich beginnt der Betreiber zu telefonieren. Er erklärt mir den Weg zu einem Verwandten mit Werkstatt.

In meinem Kopf startet sofort vorsichtiger Optimismus.

Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für meine Bremsen.

Dorf mit Bergen im Hintergrund kurz vor dem Grenzgebiet
Asphaltstraße durch offene Landschaft bei Hitze auf Tag 3 der Radreise
Alter Grenzstein Slowenien–Italien am Übergang nach Italien

Ein Mechaniker, zwei Bremsbeläge und ganz viel Erleichterung

Die Werkstatt liegt nur wenige Minuten entfernt.

Ich komme an, schaue hoffnungsvoll hinein – und bekomme direkt die nächste schlechte Nachricht:

Der Mechaniker ist im Urlaub.

Perfekt.

Ich starre mein Fahrrad an. Die Bremse riecht immer noch verbrannt. Der Antrieb klingt wie eine kaputte Kaffeemühle. Gurte lösen sich. Taschen hängen schief.

Kurz gesagt: Das Fahrrad führt inzwischen sein eigenes Drama auf.

Ich erkläre mein Problem trotzdem.

Ziemlich verzweifelt.

Wahrscheinlich mit genau diesem Gesichtsausdruck zwischen Hoffnung und „bitte rette meinen Urlaub“.

Der Mann schaut sich alles an. Denkt kurz nach. Nickt langsam.

Und dann sagt er, dass er bis morgen neue Bremsbeläge organisieren kann.

In diesem Moment könnte ich ihn wahrscheinlich umarmen.

Ganz ehrlich: Nach diesem Tag fühlt sich diese kleine Zusage größer an als jeder Gipfel zuvor.

Der Rest des Fahrrads bleibt zwar weiterhin ein rollendes Überraschungspaket, aber die Bremse wird gerettet.

Und genau das reicht mir heute vollkommen.

Mit dem Rad nach Kroatien
Besonderheit des Tages
Der Moment, in dem der italienische Mechaniker trotz Urlaubs zusagte, meine Bremse zu retten – pure Erleichterung. Ein kleines Werkstattwunder, das die Weiterfahrt und meinen Mut sicherte. 🚴‍♂️
Radfahrer-Selfie am italienischen Grenzschild nach langer Bergetappe

Pizza, Eis und dieses warme Gefühl von „alles wird gut“

Zurück in der Unterkunft entdecke ich dann die nächste Überraschung:

Die Pizzeria gehört direkt zum Haus.

Der Betreiber ist gleichzeitig auch noch Pizzabäcker.

Nach den letzten eher experimentellen Abendessen der Tour bin ich skeptisch. Sehr skeptisch.

Aber Hunger gewinnt bekanntlich immer.

Ich bestelle eine Vier-Käse-Pizza.

Und dann passiert etwas Wundervolles.

Diese Pizza schmeckt einfach unglaublich.

Dünner Boden. Frische Zutaten. Perfekt geschmolzener Käse. Jeder Bissen schmeckt nach Urlaub, Italien und einem kleinen emotionalen Neuanfang.

Ich sitze draußen, esse langsam und merke plötzlich, wie die komplette Anspannung des Tages verschwindet.

Danach gönne ich mir noch italienisches Eis.

Cremig. Süß. Perfekt.

Später laufe ich durch Bosovizza, lese ein wenig in meinem Buch und lasse den Abend ruhig ausklingen. Die Luft wird langsam kühler, irgendwo klirren Gläser aus einem Restaurant und zwischen den Häusern liegt diese typische italienische Abendruhe.

Dann kommt plötzlich noch eine Nachricht von einer Freundin.

Nichts Weltbewegendes. Aber genau genug, um mir ein ehrliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Und irgendwann falle ich völlig erschöpft ins Bett.

Heute war chaotisch. Laut. Anstrengend. Voller Zweifel.

Aber genau solche Tage bleiben hängen.

Weil sie zeigen, dass Abenteuer nicht perfekt sein müssen.

Manchmal reichen ein funktionierender Bremsbelag, eine gute Pizza und das Gefühl, trotzdem weitergefahren zu sein.

Und genau damit schlafe ich heute ein.

Mit müden Beinen.
Aber mit einem verdammt glücklichen Herzen.

Mit dem Rad nach Kroatien Tag 3 – Berge und ein Held

travel period

  • Land: Österreich, Slowenien, Italien, Kroatien
  • Zeitraum: September
  • Reisedauer: 12T

travel dates

  • Start: Villach
  • Ziel: Rijeka
  • Anreise: Bahn/Eystrup
  • Dauer: ca. 20h

activity

  • Rad: EMTB
  • geradelte Km: 1080
  • Dauer Etappe:: 8-10h/Tag
  • Höhenmeter: 3.500Hm
  • Schwierigkeitsgard: Mittel