Harz – MTB – Taubenklippe
Zwischen Vorfreude und einem Bad – Auf zur Taubenklippe
Manchmal beginnt das größte Abenteuer nur wenige Kilometer entfernt.
Eigentlich hätte ich an diesem Morgen gute Gründe gehabt, zu Hause zu bleiben.
Der Rücken meldete sich schon beim Aufstehen. Draußen hing eine dichte Wolkendecke über dem Himmel und selbst der erste Kaffee wollte heute nicht so richtig schmecken.
Einer dieser Morgen, an denen man sich fragt, ob das Sofa nicht doch die vernünftigere Entscheidung wäre.
Aber genau an solchen Tagen will ich raus.
Nicht, weil ich Rekorde fahren möchte oder den perfekten Trail suche. Sondern weil ich weiß, dass irgendwo zwischen den Fichten, den Bergen und den kleinen Wegen etwas auf mich wartet, das ich zu Hause nicht finde.
Heute geht es nach Ilsenburg. Ein kleiner Ort im Harz, ganz in der Nähe von Torfhaus. Auf der Landkarte fast unscheinbar – aber ein Navigationsprofi wie ich findet ihn natürlich trotzdem.
Als ich ankomme, ist die Müdigkeit fast verschwunden. Das Mountainbike ist schnell ausgeladen, der Helm sitzt und wenige Minuten später rolle ich los.
Die ersten Meter fühlen sich noch etwas schwer an. Die letzten Tage stecken mir in den Knochen und auch das Wetter gibt sich heute nicht gerade als Motivationscoach. Trotzdem ist da dieses vertraute Kribbeln.
Ein bisschen Aufregung.
Ein bisschen Vorfreude.
Und dieses leise Gefühl, dass heute wieder einer dieser Tage werden könnte, über die ich später gerne erzähle.
Der Harz empfängt mich anders als erwartet.
Schon nach wenigen Minuten biege ich in den Wald ab.
Er empfängt mich ruhig. Die Luft riecht nach feuchter Erde, der Boden ist noch nass vom Regen der vergangenen Tage und überall glitzern Wurzeln zwischen Moos und Steinen.
Das klingt erst einmal traumhaft.
Für mein Mountainbike offenbar weniger.
Gefühlt rutscht heute jede zweite Wurzel unter den Reifen weg. Bereits nach den ersten Minuten wird klar: Der Harz möchte heute nicht nur besucht werden – er möchte, dass ich mir jeden Kilometer verdiene.
Wenn gestern auf morgen trifft
Je höher ich komme, desto offener wird die Landschaft.
Und plötzlich stehen sie wieder vor mir.
Die abgestorbenen Fichten.
Jedes Mal trifft mich dieser Anblick aufs Neue. Ganze Berghänge voller grauer Stämme. Still. Fast traurig.
Früher hätte mich dieses Bild wahrscheinlich nur bedrückt.
Heute schaue ich genauer hin.
Zwischen den alten Stämmen wachsen überall kleine Tannen. Frisches Grün. Neues Leben.
Die Natur hat längst begonnen, ihre eigene Geschichte weiterzuschreiben.
Langsam.
Geduldig.
Ohne Eile.
Vielleicht gefällt mir der Harz genau deshalb so sehr.
Er erinnert mich daran, dass selbst nach den schwierigsten Zeiten wieder etwas Neues entstehen kann.
Die Ideallinie
Der Trail wird inzwischen anspruchsvoller.
Jede Wurzel, jeder Anstieg fordert Konzentration, Gleichgewicht und manchmal auch ein kleines bisschen Mut.
Immer wieder suche ich die beste Linie zwischen Steinen und Wurzeln. Mal wird gefahren, mal geschoben.
Und genau diese Mischung liebe ich.
Radfahren bedeutet für mich nicht, möglichst schnell anzukommen.
Es bedeutet, unterwegs zu sein.
Die Natur bewusst wahrzunehmen.
Den Kopf freizubekommen.
Und einfach glücklich zu sein.
Irgendwann denke ich, den Rhythmus gefunden zu haben.
Großer Fehler.
Links plätschert ein kleiner Bach. Rechts führt ein schmaler Weg vorbei.
Mein erster Gedanke:
„Kein Problem.“
Mein zweiter Gedanke:
„Ich bin schließlich Profi.“
Der Harz hatte dazu allerdings eine ganz eigene Meinung.
Kaum rolle ich auf den schmalen Weg, merke ich, wie rutschig der Untergrund tatsächlich ist. Das Vorderrad entscheidet sich plötzlich für eine andere Richtung als ich.
Eine Sekunde später liege ich mitten im Bach.
Fünf Grad kaltes Wasser.
Ich weiß das deshalb so genau, weil mein linkes Bein mir diese Information augenblicklich und ziemlich deutlich mitteilt.
Das wäre alles nur halb so schlimm gewesen.
Wenn ich nicht noch zehn Kilometer vor mir gehabt hätte.
Ich muss laut lachen.
Wahrscheinlich hätte jeder Spaziergänger gedacht, ich hätte gerade den schwierigsten Trail Deutschlands bezwungen.
Dabei war es am Ende nur ein kleiner Bach, der mich ziemlich charmant daran erinnert hat, dass Selbstvertrauen und Realität manchmal zwei verschiedene Dinge sind.
Gedankenmoment
Nicht jede Tour bleibt wegen der schönsten Aussicht in Erinnerung. Manchmal ist es nur ein kurzer Augenblick – das Rauschen eines Wasserfalls, das Licht zwischen den Bäumen oder ein stiller Weg ohne Ziel. Genau diese Momente sind es, die lange bleiben, obwohl sie sich kaum in Worten festhalten lassen.
Wenn die Klamotten nass sind
Mit nassen Schuhen fährt es sich übrigens erstaunlich gut.
Zumindest dann, wenn man beschlossen hat, sich darüber einfach nicht mehr zu ärgern.
Die letzten Kilometer fühlen sich plötzlich leichter an.
Nicht weil die Anstiege weniger werden.
Sondern weil der Kopf längst angekommen ist.
Zwischendurch reißen die Wolken auf. Sonnenstrahlen fallen durch die Bäume und tauchen den Wald in ein warmes Licht. Eben noch grau und kühl – plötzlich wirkt alles freundlich und lebendig.
Ich bleibe stehen.
Nicht für das perfekte Foto.
Sondern einfach nur, um diesen Moment bewusst wahrzunehmen.
Durchgefroren und Vergessen
Genau dafür bin ich heute losgefahren.
Als ich später wieder am Parkplatz ankomme, bin ich durchgefroren, immer noch leicht nass und trotzdem rundum zufrieden.
Den Rücken?
An den musste ich gerade tatsächlich erst wieder denken.
Nicht, weil er verschwunden ist.
Sondern weil ich ihn während der Tour irgendwann einfach vergessen habe.
Vielleicht ist genau das das Schönste am Draußensein.
Man konzentriert sich nicht mehr auf das, was zwickt oder stresst.
Sondern auf das, was gerade vor einem liegt.
Den Weg.
Den Wald.
Den nächsten Kilometer.
Und manchmal eben auch auf einen kleinen Bach, der einen ganz sanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Fazit
Geblieben ist ein Tag voller kleiner Überraschungen.
Ein unfreiwilliges Bad.
Anspruchsvolle Trails.
Stille Wälder.
Und dieses besondere Gefühl, das ich fast nur draußen finde.
Vielleicht sind genau das die schönsten Touren.
Nicht die perfekten.
Sondern die, über die man Wochen später noch mit einem Lächeln erzählt.
Am Ende bleiben nicht die perfekten Kilometer.
Sondern die Momente,
die man nicht geplant hat.
MOMENT DER TOUR
Zwischen den Felsen war es still. (LTW-DS-003)
Kurzer emotionaler Text.
📍 Harz
🚴 MTB
☀️ Sonne
🧭 52 km
Zwichen Vorfreude und nassem Start
Zwischen Vorfreude und nassem Start
Der Radfahrer steht an diesem Morgen nicht voller Energie am Start. Der Rücken zwickt, die Wolken hängen tief über dem Harz und selbst der erste Kaffee verspricht heute keine Wunder.
Eigentlich wäre es ein Tag, an dem viele zu Hause bleiben würden.
Doch genau solche Tage ziehen ihn nach draußen. Nicht, weil alles perfekt ist. Sondern weil die Natur oft genau dann ihre schönsten Geschichten erzählt, wenn sie sich zunächst von ihrer rauen Seite zeigt.
Mit jedem Kilometer lässt er den Alltag hinter sich. Zwischen dunklen Fichten, steinigen Wegen und den Spuren eines Waldes im Wandel findet er genau das, wonach er gesucht hat: Ruhe, Bewegung und das gute Gefühl, unterwegs zu sein.
Am Ende wird diese Tour nicht wegen ihrer perfekten Bedingungen in Erinnerung bleiben.
Sondern wegen all der kleinen Momente dazwischen.
Tourbilder
Your content goes here. Edit or remove this text inline or in the module Content settings. You can also style every aspect of this content in the module Design settings and even apply custom CSS to this text in the module Advanced settings.
Persönliche Empfehlung (LTW-DS-012)
Was mir unterwegs geholfen hat
Evoc Rucksack
Kurzbeschreibung 1–2 Sätze
💡 Transparenz: Einige der Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Wenn du darüber einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. So unterstützt du Lovingtailwind und hilfst dabei, neue Touren, Tests und Inhalte zu ermöglichen.
Weitere Abenteuer
Drei Augenblicke.
Drei Erinnerungen.
Drei Gründe, warum diese Tour bis heute nachwirkt.